AD(H)S
Bedarf
In den letzten Jahren ist das Thema AD(H)S im Erwachsenenalter stärker in den Fokus gerückt – nicht zuletzt durch Berichterstattung in sozialen Medien. Gleichzeitig ist eine sorgfältige und leitliniengerechte Diagnostik besonders wichtig, da AD(H)S differenzialdiagnostisch von anderen psychischen Erkrankungen abgegrenzt werden muss und häufig Grundlage einer medikamentösen Behandlung darstellt. Daher ist eine sorgfältige, leitlineingetreue Indikationsprüfung notwendig, um individuelle Beschwerden angemessen einzuordnen und passende Behandlungsschritte abzuleiten.
Die gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit für AD(H)S führt dazu, dass viele Menschen berechtigterweise nach Klärung suchen und entsprechende diagnostische Angebote stark nachgefragt werden. Dies trägt dazu bei, dass fachärztliche und diagnostische Versorgungsstrukturen zunehmend ausgelastet sind. Gleichzeitig wird im Zusammenhang mit AD(H)S zunehmend auch der sogenannte Looping-Effekt beschrieben: Informationen über Diagnosen oder Symptome können das eigene Erleben beeinflussen und dazu führen, dass Schwierigkeiten stärker wahrgenommen oder in einem bestimmten Deutungsrahmen verstanden werden - menschliche Phänomene werden pathologisiert, statt normalisiert.
Eine Diagnostik ist daher stets ergebnisoffen und soll helfen, Zusammenhänge differenziert zu verstehen und passende Unterstützungswege abzuleiten. Eine fachlich fundierte Diagnostik schützt vor Fehleinschätzungen und ermöglicht eine passgenaue Behandlung.
Aus diesem Grund biete eine strukturierte AD(H)S-Diagnostik auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien für Erwachsene an.
AD(H)S-Diagnostik nach Leitlinie
Die aktuelle S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) beschreibt eine ADHS-Diagnostik als mehrstufigen klinischen Prozess, der ausschließlich durch qualifizierte Fachpersonen erfolgen sollte.
Weitere Informationen finden Sie hier:
🔗 AWMF-Leitlinie ADHS
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-045
In der Psychotherapie bezeichnet man als Goldstandard in der Regel ein Verfahren oder Vorgehen, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich besonders gut belegt ist und das in Leitlinien empfohlen wird.
Die Diagnostik soll durch psychotherapeutische oder psychiatrische Fachpersonen erfolgen.
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Bei ADHS-Verdacht wird Nachfolgendes zur Diagnosestellung empfohlen:
- ausführliches, klinisch- diagnostisches Gespräch
- Verhaltensbeobachtung
- strukturierte Interviews
- standardisierte Fragebögen
- biografische Anamnese
- Fremdanamnese (z. B. Elternberichte, Schulzeugnisse)
- differenzialdiagnostische Abklärung möglicher anderer psychischer Erkrankungen (Komorbiden Störungen)
- Erfassung der Symptomatik seit der Kindheit
- Beurteilung aktueller Funktionsbeeinträchtigungen

Hinweis
Eine diagnostische Einschätzung erfolgt im Rahmen der regulären probatorischen Sitzungen.
Sofern eine Abklärung von ADHS Ihr zentrales Anliegen ist, bitte ich Sie folgendes zu beachten:
Eine valide ADHS-Diagnostik erfordert eine sorgfältige differenzialdiagnostische Abklärung anderer psychischer Erkrankungen. Dies ist notwendig, da Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme auch im Zusammenhang mit anderen Störungen auftreten können, beispielsweise bei Traumafolgestörungen, Depressionen oder Angststörungen. Sollten aktuell entsprechende Belastungen bestehen, muss zunächst im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde geklärt werden, ob eine aussagekräftige AD(H)S-Diagnostik zu diesem Zeitpunkt sinnvoll und möglich ist.
Ich arbeite daher mit einem mehrstufigen diagnostischen Vorgehen.
Diagnostisches Vorgehen in meiner Praxis
Die Diagnostik erfolgt mehrstufig und orientiert sich an den aktuellen Empfehlungen der S3-Leitlinie. Die Diagnostik erfolgt leitliniengerecht multimodal und berücksichtigt neben diagnostischen Interviews und biografischen Informationen auch testpsychologische Verfahren. Ojektive Aufmerksamkeitstests wird entsprechend der Empfehlungen nur ergänzend im Einzelfall angeboten, da ihre Ergebnisse zu unspezifisch sind und sich häufig mit Befunden anderer psychischer Belastungen oder Störungen überschneiden.
Zum Einsatz kommen unter anderem:
- DIVA-Interview (Diagnostisches Interview für ADHS im Erwachsenenalter)
- HASE (Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene)
- SCID-5-CD Screening (Persönlichkeitsdiagnostik)
Ergänzend erfolgen:
- strukturierte biografische Anamnese
- Sichtung schulischer und beruflicher Entwicklung (Lebenslaufanalyse)
- Fremdanamnese, sofern möglich
- auf Wunsch: Intelligenz-Screening zur differenzialdiagnostischen Einordnung
AD(H)S-Gruppe
Viele Erwachsene mit AD(H)S kennen dieses Gefühl: „Irgendwie bin ich anders.“ Zu schnell, zu laut, zu chaotisch und unorganisiert, zu emotional, zu viel – oder manchmal auch zu wenig. Viele berichten von einem langen Weg mit Selbstzweifeln, Missverständnissen und dem Eindruck, nicht richtig dazuzugehören. Insgesamt besteht die Gruppe aus 12-16 Sitzungen (Zusatzmodul Prokrastination) à 100 Minuten.
Wissenschaftliche Grundlage
Die Gruppe orientiert sich am etablierten Therapiemanual von Hesslinger et al., das speziell für die Behandlung von AD(H)S im Erwachsenenalter entwickelt wurde und Elemente der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) integriert. Ergänzt wird das Programm um ein zusätzliches Modul zum Umgang mit Prokrastination- pathologischem Aufschieben. Die Behandlung entspricht den Empfehlungen der AWMF-S3-Leitlinie „ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, in der strukturierte, kognitiv-behaviorale Gruppenprogramme ausdrücklich empfohlen werden. Die zentralen Inhalte der Gruppe umfasst Module zur Verbesserung von Aufmerksamkeit, Selbststeuerung/Impulskontrolle und Alltags- organisation, Verbesserung des Schlafs und des Selbstwerts sowie Hilfsmittel gegen Prokrastination. Letzteres Modul zur Prokrastination ist ergänzend und wird nur bei Bedarf empfohlen.
Studien zeigen:
- Verbesserung der Selbststeuerung
- Reduktion von Impulsivität und Desorganisation
- Besserer Umgang mit Emotionen
- Erhöhte Lebenszufriedenheit
- Nachhaltige Effekte auch nach Therapieende
Was spricht für eine Gruppentherapie bei AD(H)S?
- schnellerer Therapieplatz möglich
- Entlastung durch geteilte Erfahrungen
- weniger Gefühl von Isolation
- neue Perspektiven durch andere Teilnehmende
- gegenseitige Unterstützung
- soziale Kompetenzen direkt erlebbar erweitern
